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systematische Literaturrecherche
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[Ausblenden]Englisch: systematic literature search
Systematische Suche nach Literatur zu einem bestimmten Thema
Zum Thema Literaturrecherche finden Sie in den öffentlichen Lehrmaterialien des ILIAS der JLU einige noch wesentlich detailliertere Kurse.
1 Literatursorten
Lehr- und Fachbücher liefern Grundwissen, haben allerdings den Nachteil, dass sie in der Regel der Forschung „hinterherhinken“, also nicht den ganz aktuellen Stand der Forschung wiedergeben können.
Um auf den aktuellen Forschungsstand Ihres Themas zu kommen, ist es wichtig, die neuesten Studien und Veröffentlichungen zu suchen und zu lesen. Wissenschaftliche Artikel werden in Fachzeitschriften publiziert und beschreiben in der Regel Forschungsergebnisse oder sind Reviews, also Beschreibungen des aktuellen Forschungsstandes zu einem bestimmten Thema. Reviews können für den Einstieg in das Feld eine große Hilfe sein.
Fachbücher sind insbesondere für die Erfassung Ihrer Theorie und die Abfassung des Theorieteils hilfreich, Publikationen in wissenschaftlichen Zeitschriften geben den Forschungsstand wieder. Der Unterschied zwischen Theorie und Forschungsstand liegt darin, dass Theorien weithin angenommene Erklärungen zu Phänomenen sind, die überprüft werden sollen. Der Forschungsstand stellt die bereits durchgeführten Studien zum Thema und der zu überprüfenden Theorie dar. In manchen Bereichen wird jeweils ein eigenes Kapitel für Theorie und Forschungsstand verlangt.
2 Ablauf einer systematischen Literaturrecherche
2.1 Festlegen des Rechercheziels
Systematisch ist eine Literatursuche dann, wenn sie möglichst alle Literatur abdeckt, die zu einem bestimmten Thema vorhanden ist, und gut dokumentiert ist.
Nur, wenn Sie möglichst umfassend über Ihr Thema informiert sind, sind Sie auch in der Lage, Ihre Forschungsergebnisse sinnvoll zu interpretieren und den aktuellen Forschungsstand korrekt wiederzugeben. Ganz am Anfang sollten Sie zudem Ihr Rechercheziel formulieren, dieses ist ebenso wichtig wie die Festlegung Ihres Themas.
2.2 Benennung von Ein- und Ausschlusskriterien
Es sollten von Anfang an Ein- und Ausschlusskriterien benannt werden. Unter welchen Bedingungen gehört die Studie zu Ihrem Thema, welche Bedingungen schließen Sie aus? Hierbei kann es sich beispielsweise um bestimmte Zielgruppen, Methoden, aber auch um thematische Aspekte handeln. Aus der Eingrenzung Ihres Forschungsthemas ergeben sich automatisch die inhaltliche Ein- und Ausschlusskriterien. Im Laufe Ihrer Suche können Sie immer wieder Kriterien verfeinern oder verändern, allerdings sollten Sie einen gewissen roten Faden verfolgen.
2.3 Datenbanken festlegen
Das e-Book „JUSTfind – Wissenschaftliche Literatur finden : eine Einführung zur Literatursuche und Bibliotheksnutzung an der Justus-Liebig-Universität Gießen und darüber hinaus“ von Frank Waldschmitz-Dietz liefert umfangreiche Erklärungen für Literatursuchen über die JLU. http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2015/11557/
Eine gute Übersicht über Suchmaschinen gibt es hier: https://www.umm.uni-heidelberg.de/bibl/literatursuche/tabelle-datenbanken.html
Beachten Sie, dass es fachspezifische Datenbanken gibt und datenbankübergreifende Suchmaschinen wie beispielsweise LIVIVO. Solche Meta-Suchmaschinen haben zwar den Vorteil, dass auch Inhalte von weniger bekannten Datenbanken mit einbezogen werden können, jedoch ist die Art der Ergebnisfindung schlechter reproduzierbar, da jede Datenbank eigene Suchkriterien hat. Wie die Meta-Suchmaschine die Ergebnisse findet, ist nicht dokumentierbar. Daher sollten Meta-Suchmaschinen eine Ergänzung zur Suche in der Fachdatenbank darstellen.
Wenn Sie sich im Netzwerk der Universität befinden oder von außerhalb über VPN oder das EZ-Proxy einwählen, haben Sie auf wesentlich mehr Veröffentlichungen Zugriff als von außerhalb des Uninetzes.
- Hier sind die Hinweise des HRZ für das VPN: https://www.uni-giessen.de/fbz/svc/hrz/svc/netz/campus/vpn
- Und hier die Hinweise der Unibibliothek für den EZ-Proxy: https://www.uni-giessen.de/ub/literatursuche/nutzung/campusnetz/ezprox
2.4 Festlegung von Suchbegriffen und -befehlen
Die richtigen Suchbegriffe sind für eine möglichst systematische Literaturrecherche, die den aktuellen Forschungsstand wiedergibt, unerlässlich. Ein paar Begriffe, die für Ihre Forschung relevant sind, haben Sie bei der Erarbeitung Ihres Themas schon definiert. Hier ist ein guter Ausgangspunkt für die Recherche.
Durch die Fülle an bereits existierender Literatur ist es schwierig, die Suchergebnisse nach den für die eigene Forschung relevanten Papern zu filtern. Zudem haben die meisten Datenbanken und Suchmaschinen ihr eigenes System, die Paper zu katalogisieren. Deshalb kann das Finden der Suchbegriffe bei jeder Datenbank ein wenig anders sein. Aus diesem Grund erfolgt die Auswahl der Datenbanken vor der Auswahl der Suchbegriffe. Wichtig sind möglichst eingegrenzte Begriffe und Begriffskombinationen, die nicht zu viele Ergebnisse liefern. Suchanfragen mit über 2000 Ergebnissen sind auch bei spezifischen Begriffen keine Seltenheit. Je spezifischer und wortreicher die Suchanfrage ist, desto mehr laufen Sie jedoch Gefahr, relevante Ergebnisse auszuschließen. Hier gilt es, die richtige Balance zu finden. Wie umfangreich Ihre Suchergebnisse sein dürfen, hängt auch vom Zeitrahmen ab, der Ihnen zur Verfügung steht. Sie können Ihre Begriffe in einer Rangliste anordnen, welche Begriffe unbedingt dabei sein müssen, und welche gegebenenfalls weggelassen werden können.
Für die Festlegung der Suchbegriffe können Sie einen Thesaurus zur Hilfe nehmen, um Synonyme mitzuerfassen und keine Paper zu übersehen, die Ihr Thema mit anderen Begrifflichkeiten behandeln.
Viele Fachdatenbanken haben Ihre Paper zudem nach Schlagwörtern sortiert. Auch diese können ein sinnvoller Ansatzpunkt für das Finden von Suchbegriffen sein; Sie können auch direkt nach den Schlagwörtern suchen.
Nach der Festlegung und Definition der Suchbegriffe und Schlagwörter erstellen Sie für jede Fachdatenbank spezifische Suchbefehle. Diese Befehle bestehen aus Ihren Suchbegriffen und können verschiedene Operatoren beinhalten. Von vielen Suchmaschinen verwendete Operatoren sind beispielsweise „AND“ für das Vorkommen von allen gesuchten Begriffen in einem Artikel, „OR“ für die Verwendung eines oder mehreren der gesuchten Suchbegriffe, Anführungszeichen für wörtliche Kombinationen von Begriffen, oder Platzhalter. Welche Operatoren für Ihre Suche relevant sind, entnehmen Sie den Hilfeseiten Ihrer zu verwendenden Fachdatenbank. Hilfreich können hierbei Schemata sein, die vorgeben, aus welchen Suchbegriffen eine Suchanfrage idealerweise zu bestehen hat.

2.5 Durchführung der Suche
Dieser Part ist relativ selbsterklärend. Sie benutzen die zuvor definierten Suchbefehle in der jeweiligen Suchmaschine und schauen sich die Ergebnisse an. Hier kommen Ihre Ein- und Ausschlusskriterien ins Spiel. Diese ziehen Sie jetzt heran, um die gefundenen Ergebnisse in ihrer Arbeit zu behalten oder rauszuwerfen. Sowohl die einbehaltenen als auch die verworfenen Paper werden dokumentiert.
Einige Fachdatenbanken stellen Suchfilter zur Verfügung. Sie können, falls dies für Sie Sinn ergibt, beispielsweise nur Reviews herausfiltern, oder nur ab einem bestimmten Jahr publizierte Studien anzeigen lassen. Die Verwendung solcher Suchfilter sollten Sie jedoch begründen können und nicht willkürlich vornehmen.
Während Ihrer Recherche sollten Sie die Angemessenheit Ihrer Suchbefehle anhand der Ergebnisse permanent überprüfen und gegebenenfalls anpassen. Es kann auch sinnvoll sein, die Begriffe von externen Fachleuten oder der Betreuungsperson überprüfen zu lassen.
2.6 Dokumentation der Literatursuche
Manche Fachdatenbanken stellen den Export von Suchergebnissen als Dokument oder per E-Mail-Versand zur Verfügung. Machen Sie von dieser Funktion auf jeden Fall Gebrauch! Sie erleichtert Ihnen viel Arbeit, die Sie sonst von Hand eingeben müssten. Ebenso können Sie sich per Mail informieren lassen, falls es neue Ergebnisse zu Ihrem Suchbefehl gibt.
Zudem kann Sie ein Literaturverwaltungsprogramm unterstützen. Für Infos zu angebotener Software durch die JLU informieren Sie sich bitte auf den Webseiten der Unibibliothek und des Hochschulrechenzentrums.
https://www.uni-giessen.de/ub/lernort-ausstattung/literaturverwaltung
Es gibt Templates für die Dokumentation der Suche, siehe beispielsweise Hirt & Nordhausen 2020.
Kurzer Überblick: Was wird idealerweise dokumentiert (Nordhausen & Hirt 2020, Hirt & Northausen 2020)?
- Verwendete Suchmaschinen
- Verwendete Suchbegriffe und -befehle
- Trefferzahl pro Suchbegriff
- U. verwendete Suchfilter
- Suchergebnisse
- Titel
- Autoren
- Jahr
- Wichtigste Aussagen
- Ein- und Ausschlusskriterien
- Ein- und ausgeschlossene Suchergebnisse
- Anzahl
- Titel
- Autoren
- Jahr
- Wichtigste Aussagen
- Datum der Suchen
Esselborn-Krumbiegel H (2017): Von der Idee zum Text. Eine Anleitung zum wissenschaftlichen Schreiben. Ferdinand Schöningh, Paderborn.
Nordhausen, T. & Hirt, J. (2020). RefHunter. Manual zur Literaturrecherche in Fachdatenbanken. Version 4.0 (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg & FHS St.Gallen, Hrsg.), Halle (Saale) & St.Gallen. Verfügbar unter https://refhunter.eu/manual
Hirt, J. & Nordhausen, T. (2020). Systematische Literaturrecherche in Fachdatenbanken: Rechercheprotokoll. Eine Beilage zu RefHunter (Manual zur Literaturrecherche in Fachdatenbanken). Version 2.0 (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg & FHS St.Gallen, Hrsg.), Halle (Saale) & St.Gallen. Verfügbar unter https://refhunter.eu/rechercheprotokoll/
Döring N, Bortz J (2016). Forschungsmethoden und Evaluation in den Sozial- und Humanwissenschaften. Springer, Berlin / Heidelberg
Zuletzt geändert: 2. Sep 2021, 10:01am, [gm2466]