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Lernen durch Lehren

Beschreibung

Lernen durch Lehren (LdL) ist eine studierendenzentrierte, kooperative und handlungsorientierte Unterrichtsmethode, die von Jean-Pol Martin begründet und von Joachim Grzega weiterentwickelt wurde. Die Methode basiert auf der Annahme, dass Studierende (Lerner) nachhaltiger lernen und zu einem tieferen Verständnis gelangen, wenn sie den ausgewählten Stoff didaktisch aufbereiten und ihren Kommilitonen (Mitlerner) aktiv vermitteln bzw. lehren. Die Lehrkraft fungiert in diesem Zusammenhang als Supervisor und nimmt damit eine andere Rolle ein als vormals als Lehrende/r.

Die Methode Lernen durch Lehren eignet sich neben dem Erwerb von Fachwissen auch sehr gut, Schlüsselqualifikationen in den Bereichen Präsentation, Moderation und Teamarbeit zu erwerben. Vorteilhaft ist ferner, dass der Redeanteil der Lerner steigt, die Themen aus der Lernerperspektive aufbereitet werden und der Stoff intensiver und vielseitiger behandelt wird. Zudem kann sich die Lehrkraft verstärkt auf das Aufspüren von Verständnislücken konzentrieren. Die Methode ist ohne besondere Rahmenbedingungen in allen Fachgebieten einsetzbar.

Durchführung

Überlegungen vorab: Wenn Sie eine eher dozentenorientierte Lehrveranstaltung auf LdL ausrichten möchten, sollten Sie die folgenden Fragen mit "Ja" beantworten können:
  • Ist es möglich, den Stoff zu reduzieren? Können die Studierenden den ggf. umfangreichen Stoff mit einem Buch oder Ähnlichem in einem zumutbaren Zeitrahmen erarbeiten?
  • Kann das Faktenwissen mehr in den Hintergrund treten und das Verstehen fokussiert werden? (Genügen z.B. wenige Beispiele, um eine Vielzahl an Fällen lösen zu können?)
  • Bin ich bereit, meine übliche Rolle als Lehrende/r aufzugeben und mich in die Rolle des Beraters, Unterstützers und Feedback-Gebers in Fragen des Lehrens und Vermittelns zu begeben?
Vorbereitungsstunde: In Kleingruppen (2-3 Personen) arbeiten die Lernenden Teile der Unterrichtssequenz inhaltlich aus. Die didaktisch-methodische Gestaltung sollte möglichst abwechslungsreich sein. Es gilt nicht, den Lehrstoff "runterzuleiern", sondern eigene Ideen einzubringen und Spaß am Lehren zu haben. Selbstverständlich gehören Frontalphasen, Partner- sowie Gruppenarbeit zum festen Bestandteil der Methode.

In dieser Phase steht die Lehrkraft als Supervisor zur Verfügung und gibt bei Bedarf Impulse. Schriftlich ausgearbeitete Dokumente zum Inhalt und Ablauf der Einheit werden besprochen und ggf. angepasst.

Unterrichtsstunde: Die Lernenden halten den vorbereiteten Teil der Unterrichtseinheit.  Der neue Stoff soll dabei nicht als Referat vorgetragen werden, sondern die Mitlernenden möglichst viel aktivieren. Bei Kommunikationsproblemen oder Unklarheiten sollte die Lehrkraft intervenieren. Unter den LdL-Anwendern herrscht keine Einigkeit darüber, die LdL-Stunde zu benoten. Mit Blick auf die Note könnten die Lernenden nur noch "Perfektes" von sich geben wollen und handeln weniger spontan. Der LdL-Unterricht lebt allerdings von der sprachlichen Umsetzung und auch davon, Fehler zu machen.
 

Geeignete Veranstaltungstypen

Die Umsetzung der Methode ist mit kleineren Studierendenzahlen leichter, aber auch Gruppengrößen von ca. 35 Studierenden eignen sich recht gut. Erfolgsversprechend ist die Methode dann, wenn sie konsequent bei den Lehrveranstaltungen eingesetzt und als "didaktisches Gesamtmodell" verstanden wird.

Ressourcen

Die Methode ist ohne besondere Rahmenbedingungen in allen Fachgebieten einsetzbar.